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Wie Sie Lampenfieber reduzieren…

… indem Sie sich Ihrer Kompetenz bewusst werden.

Tipp:

Sollten Sie vor einer Lehrsituation Lampenfieber verspüren, so machen Sie sich bewusst, dass Sie für die Teilnehmenden eine Person sind, zu der sie fachlich aufschauen. Aus der Sicht der Anwesenden haben Sie bereits Expertise in Bereichen erworben, die sie selbst nicht haben. Sie agieren in einem Raum, der Ihnen bestens vertraut ist: der Bibliothek.

Ihre Vorteile:

  • Ihr Lampenfieber nimmt ab.
  • Sie können mit größerer Sicherheit in die Schulung oder Führung gehen.
  • Sie haben Kapazitäten frei, um den Teilnehmenden gerecht zu werden.

Begründung:

Machen Sie sich deutlich, dass die Anwesenden Sie als erfolgreiche Person betrachten. Sie haben mindestens einen Abschluss; haben also etwas erreicht, wofür die Teilnehmenden, wenn sie Jugendliche oder Studierende sind, häufig noch hart arbeiten müssen. Sie haben Erfahrung in der Bibliothek. Sie sind nicht nur aus Sicht der Lernenden eine erfolgreiche Person, die kein Lampenfieber zu haben braucht. Ihre Vorgesetzten trauen Ihnen zurecht zu, dass Sie die Schulung oder Führung kompetent meistern.

Meine Erfahrung:

Ich kenne das Phänomen des Lampenfiebers von beiden Seiten im Kontext der Hochschule: Ich weiß noch, dass ich als Studentin immer ganz ehrfürchtig gegenüber allen Dozierenden war. Und dann haben wir von der Fachschaft einmal eine Ringvorlesung organisiert und Dozierende dazu eingeladen. Wir waren nach jeder Vorlesung mit diesen Dozierenden noch etwas trinken. Und da hat uns nicht nur eine Person von ihnen erzählt, dass sie jeweils recht nervös sei vor Vorlesungen. Das hat mich damals doch sehr überrascht. Aus meiner Sicht hatten die Dozierenden so viel Vertrauensvorschuss, dass sie doch nicht aufgeregt zu sein brauchten!

Als BibliothekarIn ist es genauso: Die allermeisten Teilnehmenden sehen Sie erstmal als Experten oder Expertin für das, was Sie erzählen, für den Raum, in dem Sie sich befinden – und dieser Vertrauensvorschuss ist völlig gerechtfertigt.

Das Fundament für gelingende Schulungen und Führungen sichern

Man sieht einen Tisch mit Arbeitsmaterial, eine Gruppe junger Menschen sitzt am Tisch und unterhält sich.

Die Arbeit mit einer neuen Gruppe von Menschen, die sich untereinander nicht kennen, ist zunächst immer etwas holprig. Ein gegenseitiges Kennen- und Vertrauenlernen ist nötig, damit die Lehrveranstaltung gelingen kann. Deshalb sind Führungen oder Schulungen für Studierende oder Erwachsene, die sich nicht kennen und freiwillig gekommen sind, oft ganz anders als Veranstaltungen mit Schulklassen.

Wie kann man als Teaching Librarian dafür sorgen, dass auch unter Fremden eine gute Gruppendynamik entsteht?

In meinem Gastblogbeitrag an der PH Zürich stelle ich eine entsprechende Lehrmethode für den Einstieg vor: die Vorstellungsgruppe. Im Text geht es zwar um die Hochschullehre, also Veranstaltungen mit mehreren Sitzungen. Jedoch lässt sich das Prinzip auch auf One-Shot-Schulungen und Führungen übertragen.

Vorstellungsgruppe: Zuerst kennen lernen, dann Inhalte

Didaktik-To-Go: Fördern Sie das Lernen Ihrer Teilnehmenden, indem Sie …

Beim Kanu fahren muss man selber aktiv sein

… sie aktiv werden lassen.

Geben Sie den Teilnehmenden möglichst viele Aufgaben, sodass sie sich aktiv mit den Inhalten beschäftigen müssen.

Ihre Vorteile

  • Durch die Aufgaben müssen die Lernenden sich mit den Inhalten auseinandersetzen.
  • Jede/r Lernende kann dies im eigenen Tempo tun.
  • Sie können den Teilnehmenden über die Schulter schauen und auf diese Weise erkennen, was ihnen leicht, was ihnen schwer fällt.
  • Sie können sie individueller unterstützen, selbst in großen Gruppen.

Warum ist das so?

Lernern erfordert das aktive Konstruieren neuer kognitiver Strukturen. Durch reines Zuhören ist es nicht möglich, solche Strukturen zu konstruieren. Wenn die Lernenden dagegen Aufgaben bearbeiten, müssen sie automatisch aktiv werden – passiv lassen sich keine Lösungen finden.

Lassen Sie Ihre Lernenden aktiv werden, so erhalten auch Sie als Lehrende/r Einblicke in das Verstandene und Nicht-Verstandene. So lange Sie nur vortragen, bleiben Ihnen die Köpfe der Studierenden verschlossen.

Wie geht das Aktivieren konkret… und ohne viel Aufwand?

In unserer Schatzkiste Lehrmethoden auf der Hochschuldidaktik-Website finden Sie zudem Inspiration für innovative aktivierende Methoden – die teilweise ganz kurz und einfach sind.

Meine Erfahrung damit

Teilnehmende sind nicht immer begeistert, wenn man sie auffordert, aktiv Aufgaben zu bearbeiten, z. B. auch in Gruppenarbeiten. Klar, denn als Menschen sind wir bequem ;-). Oft habe ich als Dozentin nach der Lehrveranstaltung aber dann dennoch ein explizites “Dankeschön” erhalten, weil sie selbst merken, dass sie viel mehr lernen, wenn sie zur Aktivität “gedrängt” werden. D. h. ertragen Sie auch erst mal lange Gesichter, wenn Sie die Teilnehmenden zur Aktivität auffordern.

An einem Strang ziehen: Wie Sie gut mit Lehrenden zusammenarbeiten

Erfolgreich lehren als BibliothekarIn

In dieser Reihe möchten wir Ihnen zeigen, dass Sie als Teaching Librarian die Informationskompetenz Ihrer Zielgruppe mithilfe schlichter, effektiver Methoden fördern können. Diese wissenschaftlich fundierten Tipps sind einfach und zeiteffizient, schaffen aber eine Basis für die Kompetenzentwicklung – auch in One-Shot-Lehrszenarien (dies sind die typischen einmaligen Veranstaltungen mit einer Dauer von 45 bis meist nicht viel mehr als 90 min).

 

Wie kann die Zusammenarbeit mit Lehrerinnen und Lehrern oder Dozierenden gelingen?

Häufig werden Schulungen oder Führungen für eine bestimmte Gruppe von Lernenden angeboten (eine Schulklasse, Studierende, Kindergartenkinder…), die unter der Obhut einer betreuenden Person (eines Lehrers, einer Dozierenden, eines Erziehers…) in die Bibliothek kommt und etwas Bestimmtes lernen soll. All die betreuenden Personen, die wir in diesem Beitrag „Lehrende“ nennen, bringen Erwartungen und Interessen mit, die Ihre Veranstaltung beeinflussen… und vielleicht verkomplizieren.

Marie und Hannah tauschen sich erneut über ihren Arbeitsalltag aus. Marie erzählt von einer Schulung für Studierende, deren Planung ihr gerade Kopfschmerzen bereitet. Die Dozentin scheint an der Sache ziemlich uninteressiert und möchte am liebsten gar nicht präsent sein.

Hannah ist ähnlich frustriert, aber aus anderen Gründen: Sie plant eine Führung für eine Schulklasse. Deren Lehrerin hat jedoch ganz eigene Vorstellungen vom Ablauf. Ihre Ideen findet Hannah unrealistisch, sie macht sich Sorgen, dass die Kinder überfordert werden.

Hat Ihnen die Zusammenarbeit mit Lehrenden auch schon mal Kopfzerbrechen bereitet? In diesem Beitrag finden Sie Impulse dafür, wie Sie die gemeinsame Zusammenarbeit proaktiv und konstruktiv anpacken können, sodass eine positive und vielleicht sogar langfristige Arbeitsbeziehung entsteht.

1. Machen Sie sich sichtbar

Der bibliothekarische Beruf wird oft unterschätzt oder missverstanden. Kooperationspartner (oder KollegInnen, falls Ihre Bibliothek in ein Institut integriert ist) wissen oft nicht, wer Sie sind und was Sie zu bieten haben. Sie sollten deshalb selbstbewusst auf andere zugehen. Wer mehr von Ihnen weiß, kommt häufiger auf Sie zu – und zwar mit realistischen Erwartungen!

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten: Telefonate, Emails, soziale Netzwerke, Blogs… Die Wirkung von Gesprächen zwischendurch wird oft unterschätzt. Heutzutage wäre es das Minimum, dass Sie sich bzw. Ihr Team mit Ihren Erfahrungen, Fähigkeiten und Angeboten auf Ihrer Website vorstellen (wohlgemerkt: Das umfasst mehr als nur die übliche Positionsbezeichnung mit Kontaktdaten!). Bleiben Sie dabei stets „kundenzentriert“. Gehen Sie vom Bedarf der anderen aus, sprechen Sie deren Sprache und machen Sie deutlich, dass Sie helfen können, ein bestimmtes Problem zu lösen.

2. Gestalten Sie selbstbewusst die Beziehung

Sie können die Gestaltung der Arbeitsbeziehung in die Hand nehmen! Ihre Haltungen haben eine Wirkung nach außen. Treten Sie daher selbstbewusst und kompetent auf, damit die Lehrenden ebenso mit einer positiven Einstellung an die Zusammenarbeit herantreten.

Im Normalfall sind Lehrende am Gelingen der Veranstaltung sowie am Lernerfolg der Teilnehmenden interessiert. Das haben sie mit Ihnen gemeinsam. Zeigen Sie dem oder der Lehrenden, dass Sie Interesse am Lernerfolg der Teilnehmenden sowie einem effizienten und realistischen Planungsprozess haben. Das erhöht die Chance, dass der/die Lehrende ebenso darauf fokussiert.

Vergessen Sie nicht, dass Lehrende mehr oder weniger Lehrerfahrung und didaktische Ausbildung haben können – auch Hochschuldozierende haben oft keine oder wenige didaktische Kenntnisse. Betrachten Sie sich und die Lehrenden deshalb als gleichgestellte Partner. Sie bringen bibliothekarische Expertise und bibliotheksdidaktische Kompetenz mit, der/die Lehrende bringt eigene Fähigkeiten mit; zusammen sorgen Sie für eine gelungene Veranstaltung.

Falls es etwas zu besprechen oder verhandeln gibt, dann nehmen Sie keine positionsbasierte Haltung ein, in der Sie probieren, Ihre Position zu verteidigen. Nehmen Sie stattdessen eine interessensbasierte Haltung ein. Das bedeutet, dass Sie die Interessen aller berücksichtigen. Das erleichtert die Kommunikation und verbessert die Arbeitsatmosphäre (Babcock & Laschever, 2008).

3. Holen Sie die Informationen, die Sie benötigen

Da Sie nun mit Ihrem sichtbaren, selbstbewussten und lernendenzentrierten Auftreten eine gute Basis geschaffen haben, kann die eigentliche Arbeit beginnen. Sie müssen Informationen einholen – genau wie bei einem Beratungsgespräch. Häufig werden im Voraus nur organisatorische Punkte abgehakt: Wie groß ist die Gruppe, um welche Gruppe handelt es sich… Das ist nicht ausreichend für eine gute didaktische Planung.

Fragen Sie, wenn möglich, auch Folgendes ab:

  • Wozu sollen die Lernenden konkret befähigt werden (z. B. Schreiben einer Facharbeit) – was ist das Lernziel? Lassen Sie sich, wenn möglich, den entsprechenden Lehrplan, Syllabus o. Ä. geben. Was soll Ihre Veranstaltung dazu beitragen?
  • In welcher Phase befinden sich die Lernenden, wenn sie zur Veranstaltung kommen? Welches Vorwissen, welche Erfahrungen bringen sie mit?
  • Ist der/die Lehrende bereit, den Lernenden im Voraus eine Vorbereitungsaufgabe aufzugeben?
  • Wird eine Begleitung im Nachgang der Veranstaltung möglich bzw. notwendig sein?

4. Steuern Sie die Planung der Veranstaltung

Nachdem Sie Informationen eingeholt haben, geht es an die Planung der Lehrveranstaltung. Dabei können sich Lehrende in unterschiedlichem Maße beteiligen. Sagen wir der Einfachheit halber, dass es folgende drei Grade der Involviertheit gibt:

1. „Lassen Sie uns zusammenarbeiten“: Im Optimalfall erkennt die Lehrperson Ihre Kompetenz an, gibt Ihnen alle nötigen Informationen und ist offen für Ihre Ideen. In solchen Fällen können Sie die Lehrperson einbinden, indem Sie ihr z. B. für Inhalte oder Lehrmethoden zwei-drei Vorschläge geben, aus welchen sie dann ihren Favoriten wählen darf.

2. „Machen Sie alles für mich“: Diese/r Lehrende möchte Ihnen die Planung komplett überlassen. Wenn Ihnen dies entgegenkommt, super. Wenn Sie jedoch mehr Informationen brauchen oder bestimmte Aufgaben Ihren Verantwortungsbereich überschreiten, dann ist es wichtig, dass Sie dies dem/der Lehrenden mitteilen.

3. „Ich mache alles selbst“: Diese/r Lehrende nimmt Ihnen Arbeit ab, überschreitet aber womöglich auch Ihre Grenzen. Auch hier ist wichtig, dass Sie „nein“ sagen können (s. Kasten: „Sagen Sie ein positives Nein“).

Generell empfiehlt es sich, Richtlinien für die Zusammenarbeit zu entwickeln. Schwierige Zusammenarbeit kann aufgelockert – und vermieden – werden, wenn Ihre Bibliothek bekannte Richtlinien hat. Eine typische Richtlinie könnte sein, dass ein Termin erst dann festgelegt werden kann, wenn bereits ein Vorgespräch stattgefunden hat. Im besten Fall sind die Richtlinien schriftlich und können abgerufen werden (hier ein tolles Beispiel der York University Library in Kanada), bzw. werden allen Kooperationspartnern zu Beginn der Zusammenarbeit überreicht. Die Richtlinien schützen Ihre Bedürfnisse und können außerdem den „Sündenbock“ spielen. Das kann ein schwieriges Gespräch viel einfacher machen.

Sie können viel tun, um eine langfristig erfolgreiche Zusammenarbeit zu sichern!

Sie haben in diesem Text erfahren, dass Sie die Zusammenarbeit mit Lehrenden selbstbewusst und aktiv angehen können. Zeigen Sie Interesse am Erfolg der Veranstaltung, holen Sie sich alle Informationen, die Sie benötigen, und sagen Sie bei Bedarf ein positives „Nein“. Wenn Sie Ihr Vorgehen auf offiziellen Richtlinien für die Zusammenarbeit stützen können, wird es noch einfacher.

Zum Schluss wieder eine kleine Challenge für Sie: Welche Impulse für Ihren Alltag können Sie aus diesem Artikel mitnehmen? Teilen Sie sie gerne in den Kommentaren, z. B. in unserer Facebook-Gruppe für BibliothekarInnen. Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen!

Möchten Sie mehr über die Zusammenarbeit mit Lehrenden erfahren? Dann schauen Sie doch mal in unseren Online-Kurs „Einführungen in die Bibliothek für Oberstufen-Schüler/innen gestalten“. Dieser enthält auch zahlreiche Checklisten, die die Zusammenarbeit erleichtern.

Sagen Sie ein positives Nein – so geht’s

Meistens beginnt ein Nein mit der Phrase „Es tut mir leid, aber…“ Das macht unser Gegenüber sofort defensiv (Webb, 2016). Damit Ihr Nein eine positive weitere Kommunikation ermöglicht, probieren Sie eher Folgendes:

  • Beginnen Sie mit Wertschätzung der Bedürfnisse des Gegenübers
  • Sagen Sie „ja“: Was ist Ihnen momentan wichtig und warum?
  • Sagen Sie „nein“: Erklären Sie, dass dies bedeutet, dass Sie bzgl. dieser Sache ablehnen müssen.
  • Enden Sie wieder mit Wertschätzung: Gibt es eine Alternative? Wünschen Sie dem Gegenüber wenigstens Erfolg bei seinen Bemühungen!

Beispiel: Normales Nein

„Es tut mir leid, aber dieses Thema passt nicht mehr in die Veranstaltung. Ich müsste auf diese Art zu viel vortragen, und so viele Inhalte würden die Gruppe überfordern. Das müssen Sie anders mit der Gruppe thematisieren.“

Beispiel: Positives Nein

„Danke für Ihren Themenvorschlag. Das Thema finde ich auch sehr relevant, es passt gut zum Hauptthema. Mir ist wichtig, dass die Gruppe in der Veranstaltung so lernt, dass sie das Gelernte nachhaltig im Alltag umsetzen kann. Deshalb möchte ich viele Übungsphasen integrieren. Ich fürchte, dass das Thema deshalb keinen Platz mehr finden wird in dieser Veranstaltung. Ich kenne jedoch eine Website mit tollen Tutorials dazu – vielleicht könnten Sie die mit Ihrer Gruppe durchgehen? Alternativ könnten wir eine zweite Veranstaltung einplanen.“

In dieser Blogreihe gehen wir etwas ausführlicher auf Themen aus der Bibliotheksdidaktik ein. Wir zeigen die wissenschaftliche Grundlage – aber auch handfeste Methoden und Beispiele.

Lust auf mehr?

Hier finden Sie die gesamte Reihe “Erfolgreich lehren als BibliothekarIn”

Literaturverzeichnis

Babcock, L., & Laschever, S. (2008). Ask for it: How women can use negotiation to get what they really want. Bantam.

Buchanan, H. E., & McDonough, B. A. (2017). The one-shot library instruction survival guide. ALA Editions.

Webb, C. (2016). How To Have A Good Day: The essential toolkit for a productive day at work and beyond. Pan Macmillan.

Didaktik-To-Go: Verhinden Sie die “Mauer des Schweigens” …

studierende arbeiten an einem tisch

Verhindern Sie die “Mauer des Schweigens” in Schulungen, indem Sie Murmelgruppen einsetzen.

Stellen Sie Fragen an die Gesamtgruppe nur, wenn Sie die Teilnehmenden schon gut kennen. Geben Sie den Teilnehmenden stattdessen zwei Minuten Zeit, die Frage zu zweit zu besprechen. Anschließend können Freiwillige ihre Ergebnisse im Plenum berichten.

Ihre Vorteile

  • Alle sind aufgefordert, eine Antwort zu finden.
  • Sie erhalten später in der Gesamtgruppe schneller Antworten.
  • Es beteiligen sich mehr Personen.

Warum ist das so?

Durch das kurze Gespräch mit dem Nachbarn oder der Nachbarin gewinnen die Teilnehmenden Sicherheit. So trauen sie sich anschließend auch eher “schüchterne” Teilnehmende, die Frage im Plenum zu beantworten.

Der für die Qualität der Lehrveranstaltung fast noch größere Vorteil besteht darin, dass alle Teilnehmenden – außer denen, die sich verweigern – aktiv über die Frage nachdenken müssen. Es sind kurzzeitig alle aktiv. Da Lernen nur dann stattfinden kann, wenn sich Menschen aktiv mit neuen Infos auseinandersetzen, bieten Sie ihnen mit Murmelgruppen eine tolle Lerngelegenheit.

Fazit

Die vielleicht gefühlt “verlorene” Zeit wird zur absolut wertvollen Lernzeit.

Meine persönliche Erfahrung damit

Die meisten Teilnehmenden schätzen Murmelgruppen, weil sie bald merken, dass die so geforderte Aktivität ein Lernturbo ist.

Die, die es nicht schätzen, haben zwei Minuten Zeit für WhatsApp oder ein bisschen Träumen 😉 Das finde ich auch okay, da ich sie als selbstverantwortlich für ihr Lernen begreife und mich selbst als jemanden, die Lerngelegenheiten schafft.

Prezi vs. PowerPoint: die Qual der Wahl

brezel und brötchen - das ist powerpoint versus prezi

PowerPoint-Präsentationen erinnern mich an Weißbrot: Dieser Klassiker ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Allerdings häuft sich in letzter Zeit auch die Kritik – gibt es nicht vielleicht gesündere Alternativen?

Am Weißbrot wird bemängelt, dass es nicht genügend Nährstoffe enthält und aufgrund der fehlenden Ballaststoffe auch nicht satt macht. Entsprechend werden PowerPoint-Präsentationen dafür kritisiert, dass sie oft oberflächlich eingesetzt werden und zu keinem nachhaltigen Lernerfolg führen.

Ist Prezi vielleicht eine Alternative zum Weißbrot PowerPoint?

Die Vor- und Nachteile von Prezi

Die Präsentationssoftware Prezi ist sehr schick – typisch sind die fließenden Übergänge zwischen Bausteinen, die ein sog. Zoomable User Interface (ZUI) bilden. Subjektiv bin ich der Meinung, dass diese Übergänge die Übersicht über die Struktur eines Themas erleichtern. Der rote Faden der Präsentation ist gut erkennbar.

Dass man nicht-linear präsentieren kann, ist ein weiterer Vorteil. Falls man zu einer vorigen Folie zurückspringen will, muss man sich nicht linear durch die Folien durchklicken wie in PowerPoint, sondern kann elegant raus- und an der passenden Stelle wieder reinzoomen.

Es gibt zahlreiche Vorlagen zur Auswahl, die mit ästhetischen Schriftarten und Farbkombinationen verführen. Das Einpflegen der eigenen Inhalte ist einfach, ebenso das Hinzufügen von Elementen.

Inzwischen sind aber einige Funktionen von Prezi kostenpflichtig, z. B. ist jede Präsentation, die man erstellt, öffentlich im Internet zugänglich, wenn man nicht das kostenpflichtige Abo kauft. Dies allein dürfte für einige Lehrende ein Ausschlusskriterium sein.

Außerdem finde ich die Anordnung der Bausteine und die Navigation durch die vielen fließenden Übergänge unnötig kompliziert. Hier braucht man schon etwas Zeit, um sich einzuarbeiten.

Ist Prezi besser als PowerPoint?

Bisher liegen keine Forschungsergebnisse vor, die einen Unterschied zwischen Prezi und PowerPoint nahelegen. Ich habe eine Studie gefunden, in der die Teilnehmenden eine positivere Rückmeldung zu Prezi gegeben haben.

“Participants evaluated Prezi presentations as more organized, engaging, persuasive, and effective than both PowerPoint and oral presentations.”

(Moulton, Türkay, & Kosslyn, 2017)

Der Lernerfolg war aber auch in dieser Studie bei allen Präsentationsformaten gleich. Prezi kann also scheinbar höchstens mit der Beliebtheit punkten.

Vielleicht ist Prezi ja die Brezel in unserer metaphorischen Präsentationssoftware-Bäckerei – ein beliebter Snack, der aber etwa die selben Nährstoffe enthält wie das Weißbrot.

Braucht man überhaupt eine Präsentationssoftware?

Eine Metaanalyse zeigte neulich, dass der Einsatz jeglicher Präsentationssoftware tatsächlich keinen Effekt auf den Lernerfolg zeigt – weder einen positiven noch einen negativen.

“Vielleicht ist es wenig hilfreich, die Frage als Dichotomie, also als logischen Ausschluss zu formulieren. Denn der bisherige Einsatz von Powerpoint hat weder gross genutzt noch geschadet. Statt also ein Entweder-Oder zu postulieren, lohnt es sich zu fragen, wie Präsentationssoftware gewinnbringend eingesetzt werden kann.”

(Philipp, 2019)

Fazit: Wie sollte man also präsentieren?

Da keine Präsentationssoftware lernförderlicher ist als eine andere und der Einsatz jeglicher Präsentationssoftwares keinen eigenen Effekt hat, finde ich es wichtig, als Vortragende/r nach dem persönlichen Geschmack zu arbeiten. Denn das, womit man sich selber wohlfühlt, kann man auch am besten umsetzen – sei es nun eine PowerPoint, eine Prezi oder ein “Chalk-and-Talk” ganz ohne Software.

Ob Weißbrot wirklich weniger gesund ist als Vollkornbrot, wird inzwischen auch in Frage gestellt. Es kommt vielleicht eben doch nicht auf das Brot an, sondern auf die Gesamtkombination.

Ebenso beim Vortrag: Für die Motivation und Lernförderlichkeit sorgen andere Faktoren, z. B. das Wecken von Aufmerksamkeit, verständliche Erklärungen oder aktivierende Zwischenfragen. Ich möchte Prezi trotzdem etwas öfter einsetzen und testen, ob ich den “Beliebtheitsfaktor” auch aufdecken werde.

Dieser Beitrag erschien zunächst auf bach-teachandstudy.de.

Hier wird er mit Zustimmung der Autorin veröffentlicht.

Wie kriege ich den Stoff durch? Realistische Lehrplanung

Ein Männchen denkt sich ein Fragezeichen. Es steht vor einer offenen Tür, hinter ihr ein Pfad durch grüne Täler. Auf einer FUßmatte im Türrahmen steht "Schwellenkonzepte"

Wie kriege ich den Stoff durch? – Weniger ist mehr

Marie und Hannah sind befreundete Bibliothekarinnen und treffen sich zum Kaffee. Marie plant an ihrer akademischen Bibliothek eine Schulung für Studierende im ersten Semester. Hannah plant an ihrer öffentlichen Bibliothek eine Schulung für SchülerInnen der vierten Klasse. Beide haben jedoch eines gemeinsam: Sie wissen nicht, wie sie ihren Stoff in jeweils 90 Minuten unterbringen sollen.

 

Die begleitenden Lehrpersonen haben ganz eigene Wünsche, zudem wissen Marie und Hannah, dass die Informationskompetenz komplex und vielfältig ist und sowieso viel mehr als 90 Minuten Zeit verdient. Und so beklagen sich die beiden während ihrer Kaffeepause über die unmöglichen Anforderungen, die an BibliothekarInnen gestellt werden.

Hätten Sie gerade Lust, sich dazuzusetzen und mitzumachen? Verständlich, denn in einer kurzen, einmaligen Schulung ist es wirklich unmöglich, alles anzupacken, was Sie Ihrer Zielgruppe gerne vermitteln würden. Deshalb bitte ich Sie, diese Vorstellung loszulassen. Es ist die Realität: Sie können nicht alles „durchkriegen“.

 

„Aber wie werde ich alles abdecken?“ Die Wahrheit ist, du wirst es nicht, und es überhaupt zu probieren, wird Frust garantieren.


– Buchanan & McDonough, 2014, S. 19

Der erste Schritt ist die Akzeptanz dieser Tatsache. Der zweite Schritt liegt darin, sich von den Konzepten von „Stoff“ und „Vermittlung“ zu distanzieren. Die Stoffvermittlung bringt nämlich die Vorstellung mit sich, dass Sie den „Stoff“ in die Hand nehmen und einfach an Ihre Lernenden überreichen können.

Ihr oberstes Ziel ist es aber, den Kompetenzerwerb in irgendeiner Weise zu fördern – die Zielgruppe soll im Alltag handlungsfähig werden. Kompetenzen kann man jedoch nicht auswendig lernen. Sie entstehen durch eigenes Handeln. Ihre Teilnehmenden müssen aktiv werden und selbst handeln, damit sie beginnen können, eine Kompetenz zu entwickeln. Sie sind keine leeren Blätter, die Sie durch eine Wissensvermittlung mit Fähigkeiten befüllen können. Einerseits liegt das daran, dass Wissen nicht direkt vermittelt werden kann; vielmehr müssen Lernende neues und altes Wissen in ihre ganz persönlichen Wissensstrukturen integrieren. Andererseits ist Wissen nur eine Basis für Kompetenzen, welche jedoch viel mehr als nur Erinnern und Verstehen erfordern.

Deshalb gilt der Leitsatz: Weniger ist mehr. Anstatt die Veranstaltung „vollzustopfen“, sollten Sie gezielt solche Inhalte wählen, die die Grundlage für Kompetenzentwicklung bilden. Ich rate Ihnen, dafür Threshold Concepts oder auf deutsch „Schwellenkonzepte“ zu nutzen.

 

Schwellenkonzepte sind die Grundlage der Weiterentwicklung

Ein Schwellenkonzept eröffnet Lernenden eine neue, bislang unbekannte Denkweise (Buchanan & McDonough, 2017). Es lässt sie in neue Denkwelten eintreten. Schwellenkonzepte sind zielgruppenspezifisch und befinden sich an Punkten, die die bisherigen Erfahrungen von Lernenden mit einer neuen Sichtweise verknüpfen können. Solange ein Schwellenkonzept noch fremd ist, werden Lernende immer wieder stolpern, wenn sie der neuen Denkwelt begegnen. Deshalb sind unbekannte Schwellenkonzepte häufig Stolpersteine, die zu wiederholten Fehlern und Fehlkonzepten führen.

Konzepte sind abstrakte Ideen über Dinge, die uns helfen, die Dinge zu vergleichen, zu unterschieden und zu kategorisieren. Wer mit einer Katze so umgeht, wie er sonst mit seinem Hund umgeht, wird bald merken, dass er sein Verhalten anpassen muss. Entsprechend ist es wichtig, dass Lernende Konzepte grundlegend verstehen und unterscheiden können – dann können sie ihr Wissen dazu ohne Probleme konkretisieren und vertiefen.

Folgendes sind beispielhafte Schwellenkonzepte, die die Informationskompetenz betreffen und Ihnen vielleicht schon begegnet sind:

  • Suchmaschinen und Datenbanken: Teilnehmende verstehen meistens nicht, was Google von einer Datenbank unterscheidet.
  • Formate: Wenn ein Lehrer vorgibt, dass bei der Recherche keine Websites verwendet werden dürfen, werden manche Schülerinnen nicht verstehen, dass ein eBook durchaus verwendet werden darf. Studierende hingegen glauben oft, dass alles, was bei Google Scholar zu finden ist, eine wissenschaftliche Arbeit ist. Das zeigt, dass das Format eines Werkes oftmals mit seiner Herkunft verwechselt wird.
  • Autorität und Objektivität: Lernende glauben oft, dass es „gute“ und „schlechte“, „objektive“ und „subjektive“ Quellen gibt. Dass es sich hierbei jedoch um Konzepte mit endlosen diskutierbaren Graustufen handelt, wissen sie meistens nicht.

Anstatt also eine Reihe von Inhalten vorzustellen, sollten Sie den Teilnehmenden entsprechende Schwellenkonzepte erklären. Am besten lassen Sie die Teilnehmenden dabei aktiv werden, z. B. indem Sie sie über eine provokative Frage diskutieren lassen. Lassen Sie die Teilnehmenden die Grenzen ihres Wissens erleben. Dann können Sie das Schwellenkonzept einführen. Nach diesem Prinzip würden Sie z. B. in einer Veranstaltung zum wissenschaftlichen Arbeiten darauf verzichten, alle wichtigen Datenbanken vorzustellen. Besprechen Sie mit den Studierenden lieber eine Datenbank anhand eines konkreten Beispiels und erörtern Sie entsprechende Schwellenkonzepte: Was grenzt eine Datenbank von einer Suchmaschine ab? Solche vergleichenden Fragen eignen sich besonders gut, um Schwellenkonzepte zu begreifen.

 

Themen realistisch zusammenstellen

Je nach Zielgruppe, Situation und Länge der Veranstaltung werden Sie Ihre Schulung immer wieder neu planen müssen. Ich möchte Ihnen eine alltagstaugliche Methode vorstellen, um Ihre Themen zusammenzustellen.

  1. Schreiben Sie dazu im ersten Schritt alle Ihre Wünsche und Ideen sowie die Anforderungen der Lehrkräfte und des Curriculums auf, ohne sie zu ordnen.
  2. Gibt es zu der Idee auch ein passendes Schwellenkonzept? Die beiden Ideen „Suchmaschine X“ und „Suchmaschine Y“ könnten Sie z. B. in ein Schwellenkonzept zusammenfassen: Was ist eine Suchmaschine?
  3. Nehmen Sie sich dann jedes Konzept einzeln vor und gehen Sie die Leitfragen durch, die im folgenden Flowchart dargestellt sind.
Eine Grafik beschreibt die Entscheidung, ob ein Schwellenkonzept aufgenommen wird, oder nicht: Ist es nötig für die Aufgabe? Auch für diese Zielgruppe? Kann es woanders thematisiert werden?

 

Flowchart in Anlehnung an Veldof, 2006, S. 46

Am besten schreiben Sie sich, nachdem Sie jede Idee einmal auf diese Weise analysiert haben, die Priorität jeder einzelnen Idee auf. Seien Sie dabei streng und zwingen Sie sich, jede Zahl nur einmal zu verteilen: Was hat erste Priorität, was die zweite, usw.? So finden Sie für sich Klarheit und können in der Schulung flexibel reagieren, sollte sich Ihr Zeitplan doch ändern oder die Zielgruppe ein unerwartet hohes/niedriges Vorwissen mitbringen.

 

Vergessen Sie die „Stoffvermittlung“ und lassen Sie die Teilnehmenden Schwellenkonzepte erleben!

Sie haben in diesem Text erfahren, dass der Wunsch, Wissen zu vermitteln, in kurzen Schulungen ungünstig sein kann. Denn Schulungen lassen Ihnen sehr wenig Spielraum – Sie laufen Gefahr, Ihre Veranstaltung zu überladen, sodass die Lernenden demotiviert und überfordert werden. Suchen Sie lieber Schwellenkonzepte aus, welche Sie Ihre Teilnehmenden aktiv erfahren und abgrenzen lassen. Diese Schwellenkonzepte ermöglichen eine nachhaltige Änderung der Denkweise.

Zum Schluss noch eine kleine Challenge für Sie: Haben Sie bereits erste Ideen zu Schwellenkonzepten, die für eine Ihrer Zielgruppen besonders relevant sein könnten? Teilen Sie sie gerne in den Kommentaren oder in unserer Facebook-Gruppe für Teaching Librarians!

 

Literaturverzeichnis

Buchanan, H. E., & McDonough, B. A. (2017). The one-shot library instruction survival guide. ALA Editions.

Veldof, J. R. (2006). Creating the one-shot library workshop: A step-by-step guide. American Library Association.

Didaktik-To-Go: Wenn Sie eine längere Veranstaltung durchführen…

Vier Menschen halten Sprechblasen aus Papier hoch, sie stehen in einem sonnigen Feld. das Bild soll Feedback symbolisieren.

… dann planen Sie immer eine kurze Zwischenevaluation ein.

Wenn Sie eine längere Schulung haben, z. B.

  • einen dreistündigen oder ganztätigen Workshop oder
  • eine Veranstaltung mit mehreren kurzen Sitzungen,

dann planen Sie mindestens eine kurze Zwischenevaluation ein und nehmen Sie das Feedback ernst.

Ihre Vorteile

  • Ihre Teilnehmenden fühlen sich ernst genommen und wertgeschätzt.
  • Ihe Teilnehmenden sind zufriedener, wodurch weniger Störungen, mehr Engagement und Mitarbeit zu erwarten sind.
  • Sie selbst fühlen sich in der angenehmen Atmosphäre auch wohler. Das Lehren macht mehr Spaß.

Begründung

Oft sind es Kleinigkeiten, die den Teilnehmenden missfallen, die Sie leicht ändern können. Fragen Sie die Teilnehmenden, hat dies außerdem den Effekt, dass diese sich wertgeschätzt und ernst genommen fühlen. Und wer fühlt sich nicht gerne ernst genommen? Selbst wenn Sie letztlich nicht alle Wünsche der Teilnehmenden umsetzen können, erzielt das “Danach-Fragen” und dass Sie erklären, warum Sie vielleicht auch etwas nicht umsetzen können, seine Wirkung. Allerdings sollten Sie unbedingt auch auf das Feedback eingehen, d. h. umsetzen, was geht und erklären, wenn etwas nicht umsetzbar ist.

Meine Erfahrung damit

Vor einiger Zeit habe ich in einer Lehrveranstaltung KEINE Zwischenevaluation gemacht. Das war sehr lehrreich für mich, denn was die Teilnehmenden mir am Ende als Feedback gaben, hat mich recht traurig gemacht: Es waren Kleinigkeiten, die ihnen missfallen haben, die in der Fülle und durch das Aufstauen aber zu einer großen Unzufriedenheit geführt haben. Traurig gemacht hat mich, dass ich dies hätte einfach vermeiden können, denn viele der Kleinigkeiten, die sie unzufrieden gemacht haben, hätte ich einfach ändern können. Seit dieser Erfahrung: Nicht mehr ohne Zwischenevaluation.

Machen Sie es sich einfach: Lassen Sie sich von Ihrer Rolle anleiten

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Ein junger Mensch in der letzten Reihe ist in Ihrer Schulung oder Führung offensichtlich mit seinem Smartphone beschäftigt und folgt dem Geschehen nicht. Er stört aber auch keinen anderen Teilnehmenden.

Was tun Sie?

Ihre Entscheidung dürfte stark von Ihrem Rollenverständnis abhängen: Sehen Sie Ihre Aufgabe als Teaching Librarian auch darin, einen Erziehungsauftrag wahrzunehmen, fühlen Sie sich oder sind Sie verpflichtet, Lernerfolge bei Ihren Teilnehmenden sicherzustellen, dann werden Sie eingreifen. Sie werden den Teilnehmenden auffordern, das Smartphone beiseite zu legen und der Schulung zu folgen. Sie werden möglicherweise sogar „mit erhobenem Zeigefinger“ darauf hinweisen, dass sich ein solches Verhalten nicht gehört. Sie übernehmen die Rolle des moralisierenden Erziehers oder der moralisierenden Erzieherin.

Sehen Sie Ihre Rolle jedoch darin, Lerngelegenheiten anzubieten, die die Lernenden nutzen können oder auch nicht, sind Sie der Überzeugung, dass man niemanden „zu seinem Glück zwingen“ kann, so werden Sie das Verhalten dieses Teilnehmenden so lange ignorieren, so lange er die anderen nicht stört und vom Lernen abhält.

Ein bewusstes Rollenverständnis ist wichtig, denn…

…Sind Sie sich Ihrer Rolle bewusst, wird Ihnen die Entscheidung jeweils nicht sehr schwer fallen; haben Sie Ihre Rolle dagegen nicht geklärt, kommen Sie vermutlich ins Schwanken; Sie werden unsicher; und Sie werden ggf. für Ihre gesamte Gruppe als inkonsequent erscheinen, denn das eine Mal werden Sie in dieser Situation den Teilnehmenden zurecht weisen, in einer vergleichbaren Situation werden sie ihn oder jemand anderen gewähren lassen, sprich Sie handeln in vergleichbaren Situationen unterschiedlich. Das wiederum stört jedoch das Klima in der gesamten Schulung, da ein solches Verhalten Ihrerseits die Teilnehmenden irritiert.

Aus diesen Gründen lohnt es sich, sich mit dem eigenen Rollenverständnis als Teaching Librarian zu beschäftigen.

Ganz grundsätzlich spannen sich die Rollen von Teaching Librarians zwischen den beiden Polen auf, die bereits Litt vor fast 100 Jahren benannt hat: Führen oder Wachsenlassen.

Rollen, die vor allem Aspekte des Führens auf sich vereinigen

Lokomotive

Eine Lokomotive führt den Zug an; sie zieht die Wagons mit. Keiner hat eine Chance auszubrechen.

Geburtshelfer/Hebamme

Eine Hebamme/Ein Geburtshelfer hat klar das Ziel im Blick und berät die gebärende Frau nach bestem Wissen und Gewissen, damit die Geburt erfolgreich verläuft. Im Notfall greift er oder sie dann aber auch aktiv ein; man denke an den Einsatz von Saugglocke und Zange etc.

Arzt/Ärztin

Ärzte sind Experten ihres Faches. Sie stellen Diagnosen alleine und legen anschließend eine Therapie fest. Die Mitarbeit der Patienten ist dabei nur eingeschränkt nötig.

Rollen, die vor allem Aspekte des Wachsenlassens auf sich vereinigen

Gärtner/in

Die Gärtnerin/Der Gärtner sorgt für bestmögliche Bedingungen, damit die Pflanzen wachsen können. Er oder sie gibt auf der Grundlage seines/ihres Wissens so viel nötig, vertraut ansonsten auf die natürlichen Anlagen der Natur.

Reiseführer/in

Reiseführer geben Informationen, geben den Reisenden aber auch Raum, das Neue selbst zu entdecken und zu erforschen. Sie stehen für Fragen bereit. Sie machen Angebote, die die Reisenden annehmen aber auch ablehnen können.

Freund/in

Freunde sind da, wenn man sie braucht. Sie drängen sich aber nicht auf.

Bergführer/in

Bergführer führen Bergwanderer an. Allerdings ist ihnen bewusst, dass letztlich jeder Wanderer den Gipfel selbst erreichen muss.

Trainer/in

Trainer üben mit ihren Trainees, sie verbessern, wo nötig, unterstützen, treiben aber auch an und disziplinieren. Dabei sind sie auf die Mitarbeit der Trainees angewiesen.

Und nun sind Sie dran!

Und nun sind Sie dran: In den seltensten Fällen dürfte es angemessen sein, wenn Lehrende genau eine dieser Metaphern als Grundlage ihres Rollenverständnisses nutzen. In der Regel setzt sich das eigene Rollenverständnis als ein Strauß von Aspekten verschiedener Metaphern zusammen.

Das Rollenverständnis hängt auch von der Zielgruppe ab: In einer Führung oder Schulung mit einer ersten Klasse werden Sie sich bestimmt anders verhalten als in einer Veranstaltung mit Erwachsenen.

Überlegen Sie, welche Aspekte Ihr Rollenstrauß umfasst.

Was liegt Ihnen nahe, womit fühlen Sie sich wohl?

Möchten Sie Ihre Überlegungen mit KollegInnen besprechen? Schauen Sie gerne in unserer Facebook-Gruppe für Teaching Librarians vorbei.

Motivieren durch Relevanz aufzeigen

Ein Buch liegt offen auf einem Tisch, man sieht es im Profil. Zwei Seiten bliden ein Herz.

Oft erkennen Teilnehmende die Relevanz der Lerninhalte nicht. Auf uns Dozierende machen sie dann einen unmotivierten Eindruck. Wie einfach es sein kann, Teilnehmende zu motivieren – ohne zum Edutainer zu werden – und damit den Lernerfolg zu steigern, zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Studie:

Die Studie “Motivationsförderung im Mathematikunterricht” (MoMa) beantwortet eine drängende Frage aus der Praxis und wurde jetzt in der internationalen Fachzeitschrift Developmental Psychology veröffentlicht. Sie steht für eine neue Generation von Interventionsstudien in Schulen, die anwendungsnahe Ergebnisse für die Schulpraxis versprechen.

Bekanntlich sinkt die Lust auf Mathematik im Teenageralter ‒ Ziel der Studie in 82 Gymnasialklassen der 9. Jahrgangsstufe war es, herauszufinden, wie sich diese steigern lässt. In der Bildungsforschung weiß man: Ob ich mich in einem Fach anstrenge, hängt stark damit zusammen, wie nützlich ich es finde. Im Rahmen der Untersuchung vermittelten die Wissenschaftler den Schülern daher in einem kurzen Vortrag den Nutzen von Mathematik für Studium und Beruf. Anschließend erhielten die Klassen unterschiedliche Arbeitsaufträge. Ein Teil sollte einen kurzen Aufsatz zum Nutzen der Mathematik für ihr Leben schreiben, der andere Teil beurteilte Zitate von jungen Erwachsenen zum selben Thema.

Das Ergebnis: Beide Versuchsgruppen fanden Mathematik sechs Wochen und auch fünf Monate nach dem Besuch der Wissenschaftler nützlicher als ihre Parallelklassen, die herkömmlichen Mathematikunterricht erhalten hatten. Schüler, die als Arbeitsauftrag Zitate beurteilt hatten, profitierten dabei noch etwas mehr vom Besuch der Wissenschaftler, als Schüler, die einen Aufsatz schrieben. Sie erkannten nicht nur den Nutzen des Faches für Schule und Leben, sondern waren auch mit mehr Spaß bei der Sache und schnitten bei einem Leistungstest in Rechnen am besten ab.

“Dass sich Zitate als besonders wirksame Methode zur Motivationssteigerung erwiesen haben, könnte mit ihrem Identifikationspotenzial zusammenhängen. Wenn eine Psychologiestudentin erzählt, wie wichtig Mathe für ihr Studium ist, macht das auf Neuntklässler gleich einen ganz anderen Eindruck. Maßnahmen zur Motivationsförderung müssen also auch immer an die Altersgruppe angepasst sein”, sagt Hanna Gaspard, die mit der Studie an der durch die Exzellenzinitiative geförderten Graduiertenschule LEAD promovierte.

“Ob unsere Unterrichtseinheit den gleichen Effekt hat, wenn der eigene Lehrer sie durchführt, wollen wir in weiteren Studien untersuchen”, sagte Professor Benjamin Nagengast, einer der Leiter der Studie. “Wir sehen aber jetzt schon, dass bereits mit geringem Kosten- und Zeitaufwand viel bewirkt werden kann.”

Zur Bedeutung der Studie für die Bildungsforschung ergänzte Professor Ulrich Trautwein, Direktor der Graduiertenschule LEAD und des Hector-Instituts: “Die Bildungspolitik wünscht sich von der Bildungsforschung nicht nur Defizitdiagnosen, sondern auch Wissen darüber, wie Verbesserungen erzielt werden können. Die Ergebnisse unserer Studie signalisieren: Auch mit kurzen Interventionen lassen sich in manchen Fällen lang anhaltende Motivationseffekte erzielen.”

Originalpublikation:
Gaspard, H., Dicke, A.-L., Flunger, B., Brisson, B. M., Häfner, I., Nagengast, B. & Trautwein, U. (2015). Fostering adolescents´ value beliefs for mathematics with a relevance intervention in the classroom. Developmental Psychology.
Ein Auszug aus Was Teenagern Lust auf Mathe macht – bildungsklick.de

In Schulungen und Führungen können Sie also nur davon profitieren, wenn Sie Ihrer Zielgruppe die Relevanz der Inhalte deutlich machen – und die Teilnehmenden vor allem auch selber darüber nachdenken lassen, wofür sie die Inhalte nutzen könnten.

  • Erzählen Sie vom Nutzen der Inhalte in Ihrem eigenen Leben.
  • Sammeln Sie Zitate von (ggf. jungen) Menschen, die die Relevanz in deren Leben beleuchten. Sie können dazu auch Videoausschnitte zeigen.
  • Lassen Sie die Teilnehmenden anschließend unbedingt auch persönlich reflektieren, welchen Nutzen die Inhalte für sie haben werden.

Da der Alltagsbezug der Informationskompetenz in unserer heutigen Welt sogar deutlicher ist als der der Mathematik, dürften Sie es damit leichter haben als die Mathematiklehrer in der Studie. 🙂

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